Trotzdem kann ich es nicht glauben !

Gerade komme ich steifgefroren von meinem wöchentlichen „Standartelüften“ zurück, wie jeden Freitag.
Ich stehe jeden Freitag (außer an Feiertagen) für eine Stunde (10 h – 11 h) in Ludwigsburg am Kugelbrunnen (ZOB), halte meine Standarte und hoffe auf ein Umdenken, denn momentan ist aufgrund der Coronakrise keine FfF- Demo. Außerdem habe ich ein Jahr lang versucht dort irgendwie Fuß zu fassen, doch es geht nichts ohne (a)social media
und ich wehre mich gegen Smartphones. So halte ich eben seit Juli 2020 „die Stellung“.

Heute hat mal wieder jemand ein Photo geschossen, das er auf Facebook stellen möchte.
Beendet mit der „Durchhalteparole“: „Weiter so !“.
Für solche Begegnungen halte ich eben jedes Wetter aus, bis man mich hört !

Der Tag ist geprägt von den Ereignissen in den USA die noch einmal zeigten, wie gewaltbereit die Verschwörungsanhänger sind.
Sie schotten sich komplett von jeder Diskussion ab, verunglimpfen und gehen aggressiv gegen Journalisten vor (Fake News !)
und sind allgemein erkenntnisresistent, denn dafür müsste man eben selbständig denken.

Die Anhänger der AfD stehen da in nichts nach. Na ja, wer die kursierenden Verschwörungstheorien glaubt,
glaubt auch an „stetige“ Vergewaltigung durch Flüchtlinge :-). Als hätten sie nichts anderes zu tun !

Genau da liegt der Hund für die allgemeine „Assifikation“ (wie ich das nenne) begraben. Von Klein auf leben uns unsere Eltern vor,
dass die „Wichtigkeit“ des Smartphones über die eigene Wichtigkeit geht, später wird denken nicht gefördert und man geht den Weg des geringsten Widerstandes, der da heißt: Google oder Wikipedia.

Die „Erziehung“ erfolgt zum Großteil über’s Netz und das kennt keine Moral (man sucht gar nicht danach) und für jedes
noch so menschenverachtende und zügellose Verhalten gibt es mindestens ein, zwei Likes was bedeutet,
man bekommt Bestätigung in asozialem Verhalten, entwickelt keine Empathie und fühlt sich „im Recht“.

Was auf der Reichstagstreppe und schließlich als Gipfel einer Diktatur im Kapitol geschah,
ist das Ergebnis langjähriger Verantwortungslosigkeit.
So gab es kein wirksames Gegengewicht, keine Orientierung an irgendwelchen Visionen gegeben und die unzufriedenen, frustrierten Menschen wurden aggresssiv.

Allenthalben ist das zu spüren, mittlerweile diktiert die Smartphonesucht unseren Alltag.
In öffentlichen Verkehrsmitteln wird rücksichtslos alles durch den Wagen gebrüllt, in Wartezimmern oder -schlange, wird lauthals telefoniert, im Straßenverkehr gilt das Recht des Stärkeren (das man mit der StVo eindämmen wollte), an Warteschlangen wird vorbeigegangen
(„oh, hab ich gar nicht gesehen !“, kein Gruß, kein Abschied, kein Danke für Mühen
und eine sofortige Triebbefriedigung wird als „Recht“ angesehen.

Es fehlt hier komplett an einer Impulssteuerung, wie bei Kleinstkindern im Erwachsenenkörper.
Es sind Kindermenschen !

Wir müssen wieder das Heft in die Hand nehmen und Verantwortung für die Bildung dieser Gesellschaft übernehmen.
Man muss als Gesellschaft zeigen, was geht und was nicht ! Die ganze Erziehungskette hat es nicht geschafft und es geht uns alle etwas an. Busfahrer mißbrauchen ihr „Hausrecht“ und bestrafen den, der sich nicht alles gefallen lässt,
statt den Jugendlichen, der respektlos handelt und kein Maß kennt („er ist noch ein Kind !“).
Ja, ein Kind, dessen Reaktion auf irgendetwas (hat Ohrenstöpsel gehabt und es nicht einmal gehört) aus: „Halt die Fresse Alter“ bestand.

Ich höre immer wieder: „Ich lasse mir doch nicht … vorschreiben !“ und denke :“doch, man muss Dich und Deine Umwelt vor Dir schützen, denn Du kannst Recht nicht von Unrecht unterscheiden !“.

Es geschieht heute schneller und geradezu reflexartig, dass sich fünf Menschen gegen dich richten, als dass dir Einer zur Seite steht,
weil sie ihre „Freiheit“ bedroht sehen. Und das, weil man ein asoziales Verhalten eines Einzelnen anprangert.

Wobei diese Menschen keinen echten Begriff von Freiheit haben. Sie sehen Freiheit darin, zu tun und zu lassen, wonach ihnen der Sinn steht. Sie haben keinerlei Impulskontrolle und glauben wirklich,
sie seien „Freiheitskämpfer“, gemacht um Chef zu sein, das Kindergeld gehört mir, …

Doch es gibt kein Recht auf Party, wie sie gerne mal postulieren. Die körperliche Unversehrtheit des anderen geht vor und langsam aber sicher, verschwinden Hinweise, mit der Bitte auf Rücksichtnahme immer mehr aus dem ÖPNV (zumindest hier).

Hier konnte man wenigstens noch auf Bild Nummer fünf verweisen, doch dieser Hinweis fehlt nun völlig und man ist dem endlosen Gequatsche hilflos ausgeliefert, denn erstens telefonieren die Busfahrer ständig (manche sogar mit dem Handy am Ohr)
oder bedienen das Handy während der Fahrt, und zweitens reagieren die „Fahrgäste“ dermaßen aggressiv auf die Bitte Rücksicht zu nehmen, dass man sich zehnmal überlegt, etwas zu sagen.

Aber das nur „nebenher“, die Ereignisse am Reichstag und im Kapitol haben genau die Ursache dieser Assifikation durch MAIDS
(mobile and internet dependency syndrome).
Da kann sich kein gesunder Geist entwickeln. Ich selbst versuchte nach einer Hirnblutung wieder „normal“ zu werden.
Doch mir fehlten bald die Beispiele an denen ich mich orientieren kann. Es geht immmer nur um Profit, um das Ego
und um sofortige Triebbefriedigung.
Minimalisierung der eigenen Ansprüche klappt nur im Rahmen eine Hypes.

Doch was dort als Hype verkauft wird, existiert schon fast so lange, wie die Kultur selbst und ist geradezu Voraussetzung für Kultur.
(siehe Unverzichtbarer Verzicht).

Auch hier geht es vielen erstmal um eine Selbstdarstellung vor anderen. Etwa so: „Seht her, ich bin ja so …“
Nachdem sie eine Weile „geübt“ haben, ändern sich die Ziele zu normal. Das Ego tritt in den Hintergrund und die heilsame Wirkung auf Geist, Nerven und den Körper gewinnt mehr und mehr an Gewicht.

Man muss ja nicht schlagartig radikal auf alles verzichten (das ist fast immer zum Scheitern verurteilt [s. Neujahrsvorsätze]),
aber wenn man klein anfängt, kann man sich irgendwannn fragen, ob man „es“ tatsächlich braucht und kann darauf verzichten.

So gibt eins das andere und wenn man dabei bleibt, minimalisiert sich das Leben nach und nach automatisch.
Zumindest die eigenen Ansprüche !

Is Odil

heute in meinem Kalender:

„Merkmal großer Menschen ist,
dass sie an andere weit geringere Anforderungen stellen,
als an sich selbst !“

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Dieser Content ist urheberrechtlich geschützt.